Zeltkirmes mit 700 Gästen

Dutenhofen feiert 50 Jahre Zeltkirmes und 50 Jahre Tradition. Innenminister Poseck lobt den Einsatz vor Ort und unterstützt die Burschenschaft mit einem Scheck für ihr Engagement.

WETZLAR-DUTENHOFEN. Dutenhofen hat seine 50. Zeltkirmes gefeiert. Extra dafür angereist war Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU), um die 700 Kirmesbesucher beim Festabend zu grüßen. Er lobte die Tradition der Kirmes: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist heute über alle Maßen wichtig. Diesen Zusammenhalt gibt es hier in Dutenhofen, auch weil es die Zeltkirmes gibt“, sagte Poseck. Die Kirmes sei eine wichtige Tradition und auch das ehrenamtliche Engagement so vieler. Es sei nicht mehr selbstverständlich, dass solche Feste in den Dörfern stattfinden können. Die Kosten und auch die Anforderungen an die Veranstalter würden steigen. Poseck überreichte zum Abschluss seiner Rede einen Scheck über 500 Euro an den Vorsitzenden der Burschenschaft, Pascal Kahmann.

Anschließend holte Kahmann alle „Kirmeswatze“ seit 1946 auf die Bühne, soweit sie noch erreichbar sind. Schließlich standen 50 ehemalige „Kirmeswatze“ und der aktuelle, Marius Mosberger, auf der Bühne. Der Minister übergab gemeinsam mit Kahmann den „Kirmeswatzen“ eine Watz-Anstecknadel und eine Urkunde.

Landrat: Dutenhofen hat zwei Kreisstädte als Vororte

Landrat Carsten Braun (CDU) sagte augenzwinkernd: „Heute Abend versteht man, warum Dutenhofen zwei Kreisstädte als Vororte hat.“ Gemeint waren Gießen und Wetzlar. Der Landrat dankte der Burschenschaft „siccus non immo“ für ihr Engagement, die solch eine Veranstaltung auf die Beine stellt. Dabei lobte er eine Besonderheit in Dutenhofen, nämlich, dass Vereine und Sponsoren die Kirmes unterstützen. Gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Johannes Volkmann und Bürgermeister Michael Hundertmark (beide CDU) spendierte er den Besuchern 50 Liter Bier. Moderator Bastian Rafalzik handelte die Literzahl auf 150 hoch. Da ließ sich der Wetzlarer Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) auch nicht lumpen und erhöhte um weitere 50 Liter.

Wagner sagte: „Die 50. Zeltkirmes ist weit mehr als eine beeindruckende Zahl. Es sind 50 Jahre ehrenamtliches Engagement, 50 Jahre Gemeinschaft, 50 Jahre Musik, Tanz und Begegnung. 50 Jahre gelebte Tradition. Vor allem aber 50 Jahre Menschen, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, Zeit einzubringen, Ideen zu entwickeln und ein Fest auf die Beine zu stellen, das aus dem Leben dieses Ortes nicht wegzudenken ist.“

Die Dutenhofener Veranstaltung ist die einzige Kirmes, die es noch in der Stadt Wetzlar gibt. Das Fest sei ein Anlass, zusammenzukommen, innezuhalten, zu feiern, miteinander zu essen, zu trinken, zu tanzen und die Gemeinschaft zu stärken. „Die Kirmes ist nicht nur Veranstaltung, nicht nur Programm, nicht nur Festzelt. Sie ist ein Stück Ortsgeschichte, ein Stück Identität, ein Stück Heimat.“

Eine Gedenktafel zu 50 Jahren Zeltkirmes wurde im Festzelt enthüllt. Sie soll an der Verwaltungsstelle angebracht werden. Darüber freuen sich (v.l.) der stellvertretende Burschenschaftsvorsitzende Erik Weber, Moderator Bastian Rafalzik und der Vorsitzende Pascal Kahmann.

Ortsvorsteher Andreas Altenheimer (CDU) blieb hinter den anderen Spendern nicht zurück und spendete ebenfalls 50 Liter Bier. Er dankte der Burschenschaft. Sie sei weit mehr als ein Kirmesveranstaltungsverein. „Die Burschenschaft ist Gemeinschaft, Kontinuität, schafft Identität.“ Viele Vereinsvorsitzende im Ort seien früher in der Burschenschaft aktiv gewesen. „Ihr seid ein ganz wichtiger Knotenpunkt im Netzwerk der Dorfgemeinschaft“, lobte Altenheimer. Immer wieder würden junge Menschen in die Verantwortung genommen. So lange das funktioniere, werde die Kirmes im Stehbachtal gefeiert werden können.

Dieter Agel gab einen Rückblick auf die Tradition der Kirmes. „Mehr als 100 Jahre wird in Dutenhofen Kirmes gefeiert“, erzählte Agel. Viele Jahre gab es in zwei Gaststätten Kirmesveranstaltungen, bis sich die beiden Wirte für die erste Zeltkirmes im Jahr 1974 zusammentaten. Damals habe es auch zwei Burschenschaften gegeben, im Adler und im Gambrinus. „In den 70er-Jahren schwächelten die Burschenschaften“, berichtete Agel. Durch die gemeinsam ausgerichtete Zeltkirmes habe die Kirmes dann eine Aufwertung erfahren. Das Dorffest habe sich im Vergleich zu früher sehr verändert, erzählte der Chronist. Aber ihr solides Fundament sei eine starke Dorfgemeinschaft. Das Dutenhofener Platt sei die Sprache der Kirmes. Er regte an, dass neue Burschen einen Kurs in Platt absolvieren sollten.

Am 3. Oktober wird eine Gedenktafel angebracht

Vorsitzender Kahmann und sein Stellvertreter Erik Weber stellten eine Gedenktafel vor, die am 3. Oktober feierlich an der Außenwand der Verwaltungsstelle angebracht werden soll.

Die Vertreter der Dutenhofener Vereine mit ihren Urkunden – ein Beleg für den guten Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft.

Die beiden holten die Vertreter von 14 Ortsvereinen auf die Bühne, um sie mit einer Urkunde auszuzeichnen, denn die Burschenschaft könnte die Kirmes nicht alleine stemmen, sondern wird von den Vereinen unterstützt. Noch bis Montag wird in Dutenhofen gefeiert.

Text und Fotos: Lothar Rühl

Bericht aus der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 05.09.2026
Titelbild des Beitrags: Frank Zinn / HMdl
Plakat: Burschenschaft Dutenhofen