Dutenhofen ein Grenzort mit Zollstation sowie 8 Gasthöfen bei 600 Einwohnern
Historische Fakten und interessante Geschichten standen im Mittelpunkt des 1. Ortsrundganges in Dutenhofen
Günter Agel von der Arbeitsgruppe Ortsarchiv Dutenhofen hatte eine sehr sachkundige, wie auch kurzweilige Führung zusammengestellt.
Über 60 Mitwanderinnen und Mitwanderer trafen sich trotz schlechtem Wetter auf dem Parkplatz vor dem Autohaus Schneider, um etwas über das alten Ortskern Dutenhofen zu erfahren.
Unter der Überschrift „Ein Berg verschwindet“, berichtete Günter Agel, dass dort, wo heute das Industriegebiet (Bereich Globus, Industriestraße, Straße Am Rübenmorgen) ist, sich bis Ende der 1960er Jahre der Gilbertsberg befand. In den Jahren 1967/68 wurde der gesamte Berg abgetragen. Die dabei gewonnenen Stein- und Erdmassen wurden beim Bau der heutigen B49 im Lahntal verwendet. Da die Besitzer der Grundstücke dafür entschädigt wurden, erhielt der Gilbertsberg im Dorf auch scherzhaft den Namen „Goldberg“.
Die alte Heerstraße führte in Dutenhofen durch die Hohl, Lindengasse, Grohgasse, Gießener Straße und Wetzlarer-Straße. Ab 1797 bis zu den Freiheitskriegen 1813-1815 zog immer wieder Militär durch Dutenhofen, was einige negative Folgeerscheinungen hatte
Am 16. Juni 1866 wandelte sich die beschauliche Dorfstraße wieder zu einer wirklichen Heerstraße: An diesem Tag zogen preußische Truppen, etwa 24.000 Mann, über Dutenhofen, Gießen, Marburg, Richtung Kassel und besetzten das Kurfürstentum Hessen.
In dieser alten Durchgangsstraße befanden sich zu früherer Zeit acht Gasthöfe. Wozu gab es in dem damals kleinen Dorf mit etwa 600 Einwohnern so viele Gaststätten?
Auch diese Frage konnte Günter Agel beantworten. Dutenhofen war nach der Aufteilung des Hüttenberges ab 1703 Grenzort zu Hessen- Darmstadt, dem späteren Großherzogtum Hessen. Wo Grenzen waren, wurde Zoll erhoben. Wo Zoll erhoben wurde, kam es zu Wartezeiten. Hinzu kam, dass Fuhrleute und Pferdegespann nach einer Tagesreise von etwa 35-40 km irgendwo rasten bzw. übernachten wollten.
Das erste Gasthaus aus Richtung Gießen war das Gasthaus „Zur Krone“. Es befand sich in dem heutigen Doppelhaus Lindengasse 4-6. Während der Führung wurde hier ein Halt eingelegt. Man konnte das alte Fachwerkhaus in Augenschein nehmen und auch der Name Grohgasse wurde erklärt.
Nächste Station war das Zollhaus. In dem Fachwerkhaus befand sich bis zum Inkrafttreten des Zollvereinigungsvertrages am 1. Januar 1834 die königlich-preußische Zollverwaltung.
Den Blick auf die alte Schule gerichtet, erfuhr man, dass es seit 1593 eine Schule in Dutenhofen gibt. Bis 1838 fand der Unterricht nur im Winterhalbjahr statt. Von Pfingsten bis Oktober war schulfrei, denn die Kinder wurden in dieser Zeit verstärkt in der Haus- und Landwirtschaft als Arbeitskräfte gebraucht.
Der nächste Stopp wurde im Hof der Gießener Str. 4 eingelegt, von wo aus man das Gasthaus „Adler“ sehen konnte, das einzige Gasthaus, das von den ehemals acht Gasthöfen noch besteht. An der Stelle des Hauses Gießener Straße 4 befand sich früher das Gasthaus „Zum goldenen Löwen“, wo 1848, so die Ortschronik, Intellektuelle aus Gießen versuchten die hiesigen Bauern von der Revolution zu überzeugen, was ihnen jedoch nicht gelang.
Zur Scheune der Hofreite Gießener Straße 4 berichtete der Ortschronist, dass diese 1874 Opfer eines Brandes wurde, bei dem drei Häuser, vier Scheunen und vier Ställe abbranden. Das Löschwasser wurde in Eimern mit langen Menschenketten aus dem Welschbach weitergeleitet.
Das Gasthaus „Zum goldenen Hirsch“ befand sich an der Wetzlarer Straße. Daneben stand das unter Denkmalschutz stehende, schönste Fachwerkaus Dutenhofens. Ein Bild des Hauses zierte einen 50 Millionen Geldschein im Oktober 1923. Die weiteren Gasthäuser, so das Gasthaus „Zum weißen Hirsch“ und das Gasthaus „Zur Reichskrone“ standen ebenfalls in der Wetzlarer Straße
Der Platz vor dem damaligen Gasthaus „Zum grünen Baum“ wird bis heute de Kirmesplatz genannt. Hier stand an den Kirmestagen ein Karussell. Auf bzw. in unmittelbarer Nähe des Kirmesplatzes befanden sich außerdem de Gassebonn, das Spritzenhaus, die Sirene und die Gemeindeviehwaage.
Letzte Station des Rundganges war der Platz vor der evangelischen Kirche, von wo aus auch das alte Rat- und Backhaus zu sehen war. Im Jahre 1867 hatte man beschlossen ein neues Backhaus mit zwei Öfen, einer Gemeinderathsstube, Wächterlokal und Arrestzimmer zu bauen. Etwa 100 Jahre lang wurde in den beiden Backöfen das tägliche Brot und zu Festtagen Hefekuchen gebacken.
Der große Raum des oberen Stockwerkes diente unterschiedlichen Zwecken. Hier tagte der Gemeinderat, wurden Steuergelder erhoben, Impfungen durchgeführt, öffentliche Versteigerungen, Koch- und Pflegekurse und Erste-Hilfe-Kurse abgehalten. Erst 1938 zog die Gemeindeverwaltung in das Obergeschoss ein.
Die, den Kirchvorplatz überragende Linde wurde vermutlich 1883, zum 400. Geburtstag von Dr. Martin Luther, gepflanzt. Rund um die damalige – kleinere – Kirche befand sich der Friedhof. Der Bereich um die heutige Linde war nicht Teil des Friedhofes. Hier befanden sich einer von vier Brandweihern des Dorfes und bis etwa 1948 das aus Sicherheitsgründen abseits von anderen Gebäuden stehende Leiterhaus.
Bis 1885 fanden die Verstorbenen der Gemeinde ihre letzte Ruhestätte rund um die Kirche. Danach wurde ein neuer Friedhof angelegt.
Der älteste Teil der evangelischen Kirche ist, wie der Grundstein an der südlichen Außenwand zeigt, 1653, also fünf Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet worden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche für die wachsende Gemeinde zu klein. In den Jahren 1905/06 erfolgt die Erweiterung Kirche um zwei Seitenflügel.
Zum Ende des Rundganges bedankte sich Günter Agel bei den Teilnehmern für Ihr Interesse. Sein besonderer Dank galt Dietmar Aeberhard für die Restaurierung historischer Bilder und Dieter Agel für die Öffentlichkeitsarbeit.
Dieter Agel, ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe Ortsarchiv Dutenhofen, dankte Günter Agel für seine fachmännischen, interessanten und humorvollen Beiträge.
Bilder: Christoph Agel











